EU-Beirat fordert stärkeren politischen Rahmen für wirksame Klimaanpassung

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Hintergrund sind wachsende Verluste an Menschenleben, steigende wirtschaftliche Schäden sowie erhebliche Beeinträchtigungen von Ökosystemen und Infrastrukturen infolge von Extremereignissen wie Hitzewellen, Dürren, Waldbränden, Starkregen, Überschwemmungen und Meeresspiegelanstieg. Die durchschnittlichen wirtschaftlichen Schäden an Infrastruktur und Sachwerten in Europa werden auf rund 45 Milliarden Euro pro Jahr beziffert – mit steigender Tendenz. Nach den vorliegenden Analysen hat sich die globale Durchschnittstemperatur bereits um rund 1,4 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau erhöht. Europa erwärmt sich dabei etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Angesichts unzureichender globaler Emissionsminderungen wird es zunehmend wahrscheinlich, dass das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaübereinkommens überschritten wird.

Mit fortschreitender Erwärmung sei mit häufigeren, intensiveren und länger anhaltenden Extremereignissen zu rechnen, die die Wettbewerbsfähigkeit, öffentliche Haushalte und die Sicherheit kritischer Infrastrukturen zunehmend unter Druck setzen. Klimarisiken betreffen dabei nicht nur einzelne Sektoren, sondern wirken grenzüberschreitend auf Lieferketten, Finanzmärkte, Energie- und Wasserversorgung sowie die Nahrungsmittelproduktion. Ohne eine konsequente und koordinierte Anpassung drohen weitere erhebliche Belastungen für die wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen Europas.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Beirat insbesondere die Einführung verbindlicher und harmonisierter Klimarisikobewertungen in allen EU-Politikbereichen und Mitgliedstaaten auf Basis gemeinsamer Szenarien und methodischer Standards. Klimaresilienz solle als Querschnittsaufgabe in allen EU-Programmen, Investitionen und Finanzierungsinstrumenten verankert und durch Monitoring- und Evaluationsmechanismen begleitet werden. Zudem solle eine einheitliche Referenz für die Anpassungsplanung etabliert werden, die auch höhere Erwärmungsszenarien berücksichtigt und Stresstests systematisch einbezieht. Des Weiteren wird die Entwicklung einer klaren Vision für eine klimaresiliente EU bis 2050 und darüber hinaus gefordert. Schließlich sei es erforderlich, öffentliche und private Investitionen in die Klimaanpassung deutlich zu mobilisieren und einen kohärenten Ansatz zum Umgang mit steigenden Klimafolgekosten im EU-Haushalt sowie in der wirtschaftspolitischen Steuerung zu entwickeln.

Für die Städte und Gemeinden in Deutschland ist die Thematik von unmittelbarer und wachsender Bedeutung. Kommunen sind maßgeblich für die Daseinsvorsorge verantwortlich und stehen bei der Bewältigung von Hitzeperioden, Starkregenereignissen, Hochwasser oder Dürre an vorderster Front. Sie tragen Verantwortung für die Funktionsfähigkeit kritischer Infrastrukturen wie Wasserver- und -entsorgung, Verkehrssysteme, soziale Einrichtungen, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz. Gleichzeitig erfordern Maßnahmen zur Klimaanpassung – etwa hitzeresiliente Stadtentwicklung, Entsiegelung und Begrünung, wassersensible Planung, Hochwasserschutz oder die Sicherung der Energie- und Trinkwasserversorgung – erhebliche Investitionen, langfristige Planungssicherheit und verlässliche Förderstrukturen.

Ein gestärkter europäischer Rahmen für die Klimaanpassung kann hierzu wichtige Impulse setzen, indem er einheitliche Bewertungsmaßstäbe, bessere Datengrundlagen, stärkere Koordinierung zwischen den Ebenen sowie tragfähige Finanzierungsinstrumente schafft. Zugleich ist aus kommunaler Sicht entscheidend, dass neue Vorgaben praktikabel ausgestaltet werden, bürokratische Belastungen begrenzen und die kommunale Selbstverwaltung wahren.

Weitere Informationen: https://climate-advisory-board.europa.eu/