Mitteilung
Befragung von Kommunen zur Energiewende
Für die Studie zur kommunalen Energiepolitik wurden zwischen Januar und März 2026 insgesamt 609 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in ganz Deutschland im Rahmen von Online-Interviews befragt. Die Stichprobe ist dabei bemerkenswert divers: von der kleinsten teilnehmenden Gemeinde mit 59 Einwohnern bis zur größten mit über 500.000 – und mit 59 Prozent überwiegend aus Landgemeinden. Das macht die Ergebnisse besonders praxisnah. Und sie zeichnen ein klares Bild: Der Wille zur Umsetzung ist vorhanden – doch fehlende Rahmenbedingungen halten Kommunen zurück.
Kommunen machen Tempo – von Solar bis Mobilität
81 Prozent der befragten Kommunen haben Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden bereits umgesetzt oder konkret geplant. 73 Prozent haben Ladesäulen für Elektrofahrzeuge errichtet oder in Planung und 61 Prozent setzen auf Windkraft oder planen dies bis 2035. Besonders groß ist das Interesse an Energiespeichern: Obwohl bisher kaum umgesetzt, verzeichnen sie mit 55 Prozent grundsätzlichem Interesse den höchsten Wert unter allen abgefragten Maßnahmen. Auch bei wärmebezogenen Themen ist Bewegung zu sehen: Über 75 Prozent der befragten Kommunen befinden sich bereits in Vorbereitung, Planung oder Umsetzung ihrer kommunalen Wärmeplanung.
Das Stromnetz als Flaschenhals
97 Prozent der Kommunen erleben Netzanschlüsse als Herausforderung. 46 Prozent nennen fehlende Kapazitäten im Verteilnetz als den größten Verzögerungsfaktor, 39 Prozent Engpässe bei Umspannwerken und 30 Prozent beklagen lange Bearbeitungszeiten bei den Netzbetreibern.
Ein weiteres strukturelles Problem: Der Informationsstand in vielen Verwaltungen ist lückenhaft. 79 Prozent der Befragten berichten von schlechtem Wissensstand oder fehlender Erfahrung beim Thema Energy Sharing/Kommunalstrom, 71 Prozent bei energierechtlichen und regulatorischen Prozessen. Je kleiner die Gemeinde, desto weniger Personal steht bekanntlich zur Verfügung – Landgemeinden beschäftigen im Schnitt 2 Vollzeitkräfte für die gesamte Energie-, Wärme- und Mobilitätswende, Großstädte hingegen durchschnittlich 17.
Energiewende kann sich rechnen – aber das Potenzial bleibt unausgeschöpft
66 Prozent der Kommunen erzielen bereits Einnahmen aus Erneuerbaren-Projekten – etwa über §6-EEG-Zahlungen und die Gewerbesteuer. Gleichzeitig rufen 36 Prozent der anspruchsberechtigten Kommunen diese Zahlungen gar nicht erst ab. 72 Prozent der Befragten bewerten ihre Finanzlage als angespannt. Was hilft: zwei Drittel der Befragten wünschen sich pauschale Förderung mit vereinfachter Kofinanzierung als wirksamsten Hebel.
Vor Ort mehr Rückhalt als die bundespolitische Debatte vermuten lässt
78 Prozent der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister schätzen die lokale Akzeptanz für die Energiewende als (sehr) hoch ein. Die größten Akzeptanztreiber sind günstige Energiepreise (67 Prozent), direkte finanzielle Beteiligung der Bevölkerung (55 Prozent) und kommunale Einnahmen (43 Prozent). Dennoch: 65 Prozent sagen, die Kommunikation der Bundesregierung schade der lokalen Akzeptanz – und kommunale Belange werden in keinem der vier abgefragten Bereichen (Wärmenetze, Mobilität, Stromerzeugung, Finanzierung) als ausreichend berücksichtigt wahrgenommen.
Die Studie zeigt: Die Energiewende ist vor Ort längst kein Zukunftsprojekt mehr – sie wird konkret umgesetzt. Was Kommunen brauchen, sind verlässliche und einfach zugängliche Förderstrukturen, schnellere Netzanschlüsse und eine Bundespolitik, die kommunale Realitäten anerkennt. Frühzeitige Bürgerbeteiligung und lokale Wertschöpfung stärken die Akzeptanz – und kommunale Einnahmen aus Pacht, Gewerbesteuer und Beteiligungsmodellen können gleichzeitig die Haushalte entlasten.
Weitere Informationen:
IKND-Studie: https://initiative-klimaneutral.de