Laut VKU-Umfragen droht Netzausbau zum Nadelöhr der Energiewende zu werden

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Für die Umfragen wurden im Frühjahr 2026 kommunale Energieversorger und Netzbetreiber zu Themen wie Finanzierungskraft, Netzausbau, Regulierung und Speichertechnologien befragt.

Rund 93 Prozent der befragten kommunalen Verteilnetzbetreiber planen bis 2045 mindestens eine Verdoppelung ihrer Netzkapazitäten. 37 Prozent rechnen sogar mit einer Verdreifachung. Notwendig wird dies durch den Anschluss erneuerbarer Energieanlagen, Ladesäulen, Wärmepumpen und Batteriespeicher. Gleichzeitig geben rund 75 Prozent der Befragten an, dass das gesetzliche Ziel eines Anteils erneuerbarer Energien von 80 Prozent am Bruttostromverbrauch bis 2030 ohne Anpassung der Regulierung in den Verteilnetzen nicht erreichbar sei.

Die finanzielle Lage der Netzbetreiber ist dabei angespannt: 75 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre Finanzierungskraft als angespannt oder kritisch. Nur 9 Prozent stufen sie als gut oder sehr gut ein. 74 Prozent halten den bestehenden Regulierungsrahmen aus Anreizregulierung, Verzinsung und Effizienzvergleich für nicht investitionsfördernd. 79 Prozent bewerten zudem die Folgen der NEST-Regulierung (verschärfte Effizienzanforderungen, sinkende Eigenkapitalverzinsung, engere Vorgaben bei der Anerkennung von Kosten) als negativ oder sehr negativ.

Der Druck auf die Netze nimmt dabei bereits heute spürbar zu. Bei 38 Prozent der Netzbetreiber stieg die Zahl der Anschlussanfragen im Jahr 2025, bei 11 Prozent sogar stark. Als wesentliche Hürden beim Netzausbau nennen die Befragten den bürokratischen Aufwand bei der Trassenplanung (66 Prozent), Material- und Trafolieferengpässe (54 Prozent), lange Genehmigungs- und Umweltverträglichkeitsprüfungen (48 Prozent) sowie fehlende Baukapazitäten (47 Prozent). Die Anschlussdauer variiert erheblich: Bei 27 Prozent der Unternehmen dauert ein Netzanschluss weniger als sechs Monate, bei rund 42 Prozent zwischen 6 und 12 Monaten, bei 19 Prozent zwischen 12 und 18 Monaten.

Neben dem Netzausbau selbst nimmt auch der Ausbau von Batteriespeichern Fahrt auf. 84 Prozent der kommunalen Energieversorger setzen bereits auf Großspeicherprojekte oder planen dies konkret: 11 Prozent setzen bereits Projekte um, 27 Prozent planen konkrete Vorhaben, 46 Prozent prüfen Einstiegsmöglichkeiten. Batteriespeicher können dabei helfen, Wind- und Solarstrom bedarfsgerecht verfügbar zu machen, Netzengpässe zu reduzieren und teure Eingriffe in den Netzbetrieb (Redispatch) zu verringern. Beim Redispatch kommen die Unternehmen laut Umfrage bereits voran: 62 Prozent bewerten ihre Prozesse als stabil oder funktionsfähig.

Anmerkung

Die VKU-Umfragen verdeutlichen, was viele Kommunen bereits im Alltag spüren: Engpässe im Stromnetz. Diese erschweren nicht nur den massenhaften Hochlauf von Wärmepumpen und Ladepunkten in bestimmten Gebieten, sondern blockieren auch gewerbliche Netzanschlüsse und zwingen Netzbetreiber gleichzeitig dazu, Windenergieanlagen abzuregeln.

Netzausbau und Speicherausbau müssen dabei koordiniert gedacht werden. Netzdienlich betriebene Batteriespeicher können Netzengpässe reduzieren, Abregelungen vermeiden und den Bedarf an neuen Leitungen verringern. Werden Speicher jedoch ohne Abstimmung mit der Netzausbauplanung und ohne Prüfung der tatsächlichen Netzdienlichkeit errichtet, verschärfen sie die Probleme: Sie erzeugen einen enormen Antragsstau bei den Netzbetreibern, blockieren Kapazitäten, die Gewerbebetrieben und EE-Anlagen zugutekommen sollten, und belasten einzelne Gemeinden durch kumulierte Flächeninanspruchnahme unverhältnismäßig stark. Energiespeicheranlagen dürfen daher nicht pauschal privilegiert werden. Erforderlich sind klare Kriterien zur Netzdienlichkeit, Flächenbegrenzungen für das Gemeindegebiet sowie eine Gesamtschau der örtlichen Belastung – anstatt wie bisher nur die Einzelanlage zu betrachten. Die kommunale Planungshoheit muss dabei gewahrt bleiben.

Beim Netzausbau selbst geht es nicht nur um Genehmigungsbeschleunigung. Es bedarf gesetzlich geregelter Kriterien zur Priorisierung von Anschlussanfragen, wobei netzdienliches Verhalten maßgeblich sein sollte. Bund und Länder müssen zudem den Ausbau der Übertragungs- und Verteilnetze gemeinsam beschleunigen und koordinieren. Nötig sind auch der Aufbau von Tiefbaukapazitäten und Lieferketten für Netzkomponenten sowie ein regulatorischer Rahmen, der Investitionen tatsächlich anreizt statt bremst.

Weitere Informationen:
VKU-Umfrage mit Fokus auf Finanzkraft im Detail
VKU-Umfrage mit Fokus auf Batteriespeicher (9. Juni 2026)
VKU-Umfrage mit Fokus auf Netzausbauziele (4. Juni 2026)